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Gemeinwesenmediation/Stadtteilmediation/Nachbarschaftsmediation
Dieser Artikel wurde uns
freundlicherweise von Christa Schäfer vom Mediationsblog www.mediation-berlin-blog.de
zur Verfügung gestellt.
Während in den USA und in England die Community Mediation schon
lange etabliert ist, bildet die Gemeinwesenmediation in Deutschland
einen Bereich, der sich noch immer in einem Entstehungs- und Findungsprozess
in den Projekten und im Fachdiskurs befindet.
Der Begriff Gemeinwesen wird
verstanden im Sinne von Lebenswelt der Menschen in einem sozialen
Raum (also z.B. einem Stadtteil). Dies beschreibt aus der Perspektive
der BewohnerInnen z.B. das Wohnen, Einkaufen, Arbeiten, die Freizeit,
Nachbarschaftsbeziehungen sowie Freudschaften und das Zusammenleben
in der Familie. Hieran sieht man, dass die Konfliktthemen eine große
Bandbreite aufweisen und die Nachbarschaftsmediation einen Teilbereich
der Gemeinwesenmediation darstellt.
Nachbarschaftsmediation bearbeitet
Konflikte im privaten Bereich zwischen Nachbarn und Nachbarschaften.
Gemeinwesenmediation bearbeitet vielfältige im Lebensumfeld
auftretenden Konflikte, von Familienstreitigkeiten über Nachbarschaftskonflikte
bis zu Konflikten zur Nutzung von Spielplätzen, den öffentlichen
Räumen sowie religiösen und interkulturellen Konflikten,
Konflikte in der Arbeitswelt, mit Verwaltung usw. Damit grenzt die
Gemeinwesenmediation definitionsgemäß eng an die Umweltmediation
an.
Der ursprüngliche Ansatz
in der Nachbarschafts- und Gemeinwesenmediation bestand darin, eine
Gruppe von Anwohnern und im Stadtteil arbeitenden Menschen in einer
40- bis 80stündigen Ausbildung zu NachbarschaftsmediatorInnen
bzw. StadtteilmediatorInnen auszubilden. Diese MediatorInnen sollen
die demographische Vielfalt ihres Einzugsgebietes repräsentieren
und nach Ausbildungsende ehrenamtlich Mediationen im Stadtteil übernehmen.
Während beispielsweise in London mehrere derartiger Ausbildungen
jährlich stattfinden, gibt es in Deutschland meist nur eine
Ausbildungsgruppe, die dann das Projekt mit aufbauen hilft. Deshalb
hat sich der ursprüngliche Ansatz gewandelt und es sammeln
in der Zwischenzeit viele MediatorInnen mit einer großen Mediationsausbildung
ihre ersten Erfahrungen im Bereich der Gemeinwesen- und Nachbarschaftsmediation.
Damit hat sich das Bild der Gemeinwesenmediation von einer sowohl
präventiv als auch interventiv wirkenden Methode der Konfliktbearbeitung
im Stadtteil zu einer ausschließlich interventiv arbeitenden
Methode gewandelt.
Der Begriff der Stadtteilmediation
meint die Bearbeitung von Konflikten des Gemeinwesens im Stadtteil.
Es hat in der Erfahrung der Projekte herausgestellt, dass der Wirkungskreis
von Projekten der Nachbarschafts- und Gemeinwesenmediation an größeren
räumlichen Gegebenheiten ausgerichtet werden sollte, um eine
stabile Fallanfrage und -bearbeitung im Projekt sichern zu können.
Bisher gibt es leider noch
keine bundesweite Evaluation von Gemeinwesenmediationsprojekten.
Die immensen Vorteile, die allerdings von Medianten, Quartiersmanagern
und Stadtverwaltungen in diesem Bereich der Mediation gesehen werden,
sprechen für sich.
Christa Schäfer
http://www.mediation-berlin-blog.de/
Mediation
im öffentlichen Bereich (Umweltmediation)
Dieser
Artikel wurde und freundlicherweise von Marcus Hehn, Vorsitzender
der AG Mediation im Deutschen Anwaltsverein zur Verfügung gestellt
Die Mediation im öffentlichen
Bereich, im Spannungsfeld zwischen Umwelt, Politik, Wirtschaft und
Sozialem (häufig als "Umweltmediation" bezeichnet)
spielte bei der Entwicklung der Mediation in den USA eine wichtige
Rolle.
Unterstützt durch große nationale Stiftungen (z.B. der
Rockefeller Stiftung oder der Ford-Stiftung) wurden einige erfolgreiche
Mediationsverfahren im Zusammenhang mit umweltrelevanten Bau- und
Planungsvorhaben durchgeführt.
Solche komplexen Mediationsverfahren sind im Gegensatz zu anderen
Bereichen der Mediation vor allem dadurch geprägt, dass zahlreiche
Vertreter verschiedenster Gruppen in ein solches kooperatives Verfahren
eingebunden sind und in der Öffentlichkeit das Bedürfnis
besteht, über den Fortgang der Verfahren informiert zu werden.
Auf diese Besonderheiten müssen sich Mediatoren daher besonders
einrichten.
In Deutschland sind solche komplexen Mediationsverfahren noch relativ
selten. Seit den späten 80er Jahren haben etwa 150 Verfahren
stattgefunden, bei denen zumeist Teams aus zwei oder drei Mediatoren
die Verfahren geleitet haben. Hauptanwendungsgebiete sind Konflikte
aus dem Bereich Verkehr, die Standortsuche bei umweltrelevanten
Bau- und Planungsvorhaben (etwa Industrieanlagen oder Gewerbegebiete),
die Sanierung von Altlasten oder die konzeptionelle Entwicklung
von Umweltprogrammen.
Die Mediatoren stammen meist
aus dem gesellschaftswissenschaftlichen Umfeld, Rechtsanwälte
sind dagegen nur selten als Mediatoren bei diesen komplexen Verfahren
eingesetzt.
Weitere Infos: www.umweltmediation.info
Umweltmediation
für Anwälte:
Gerade im öffentlichen
Bereich wird die Mediation immer häufiger eingesetzt, da sie
sich als interessengestütztes Verfahren nutzen lässt die
vielen oft verbissenen, sich gegenüberstehenden Meinungen unter
einen Hut zu bringen und so möglichst akzeptierte Lösungen
zu erreichen. Hier hilft das klar strukturierte Verfahren und die
neutralen Gesprächsleiter weiter. Gerade in umstrittenen und
umfangreichen Infrastrukturprojekten ist die Mediation im Rahmen
der frühzeitigen Bürgerbeteiligung ein sehr gutes Mittel
die Interessen zu ermitteln.
Mediation im öffentlichen
Recht ist auch deswegen eine so passende Methode der Konfliktbehandlung,
weil in vielen Fällen ja die Behörde eigentlich nicht
klassischer Gegner des Bürgers ist, sondern „Sachwalter“
seiner Interessen, die natürlich mit vielen anderen kollidieren
können. Das hat zur Folge, dass die mit klassischer Rechtsprechung
zu erreichenden Schwarz-weiss-Lösungen fehl am Platze sind,
da sie das Vertrauen der Bürger in die staatlichen Organe untergraben
können.
Gerade für Anwälte
und Studenten, die sich auf öffentliches Recht konzentriert
haben oder später konzentrieren wollen bietet die Ausbildung
zum Mediator im Moment noch einen idealen Ausbildungsvorsprung zu
anderen Bewerbern und Anwälten.
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